Preisgekrönter „Tomatenfisch“

Das Bild zeigt die Auszeichnung mit dem mit dem Ralf-Dahrendorf-Preis.

Ein Team des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei ist für seine ressourcenschonende Zuchtmethode mit dem Ralf-Dahrendorf-Preis ausgezeichnet worden.

16.05.2019 · Umweltwissenschaften · Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei · News · Menschen · Transfer

Tomaten und Fisch ergänzen sich nicht nur auf dem Teller gut. Ein Forschungsteam am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) erhält den Ralf-Dahrendorf-Preis für den Europäischen Forschungsraum: für eine ressourcenschonende Zuchtmethode. Bundesforschungsministerin Anja Karliczek übergibt den Preis in Berlin.

Heute darf sich ein Forschungsteam am IGB ganz besonders freuen, denn es bekommt einen völlig neuen Preis verliehen: Der Ralf-Dahrendorf-Preis für den Europäischen Forschungsraum zeichnet herausragendes Engagement in wichtigen EU-Forschungsprojekten aus und darüber hinaus auch die Motivation, die Projektergebnisse mit der Öffentlichkeit zu teilen. Hierfür vergibt das Bundesministerium für Bildung und Forschung eine Summe von bis zu 50.000 Euro an insgesamt sechs Preisträger.

„Für die wichtigen Beiträge von Wissenschaft und Forschung zu einer guten Zukunft brauchen wir mehr öffentliches Bewusstsein. Wissenschaftskommunikation hat dabei eine Schlüsselrolle: Sie trägt wissenschaftliche Erkenntnis in die Gesellschaft und fördert ein Klima der geistigen Offenheit“, würdigte Bundesministerin Anja Karliczek die Preisträgerinnen und Preisträger in ihrer Ansprache in Berlin.

Mit dem neuen Preis ausgestattet kann das Team um Professor Werner Kloas, Dr. Fabian Schäfer und Dr. Hendrik Monsees die sogenannte Aquaponik auch außerhalb des eigenen Fachbereichs bekannt machen.

Tomaten und Fische wachsen unter einem Dach:
Aquaponik, das steht zum einen für Aquakultur – also die Fischzucht – und zum anderen für Hydroponik – also den erdlosen Anbau von Gemüse. In der Praxis gestaltet sich diese kombinierte Zuchtmethode als ausgewogenes Geben und Nehmen. Denn aus dem Wasser der Fischzucht werden Stoffwechselprodukte der Fische in einem Biofilter von Mikroorganismen in Dünger für die Pflanzen umgewandelt. Kondensationsfallen im Gewächshaus fangen das Verdunstungswasser der Pflanzen auf damit es den Fischen zugeführt werden kann. Wiederum rückwirkend hilft das in der Fischzucht entstehende CO2 den Pflanzen beim Wachsen. Mit diesen praktischen Kreisläufen ermöglicht das System eine nahezu emissionsfreie, nachhaltige Nahrungsmittelproduktion.

Begrenzt vorhandene Ressourcen werden sparsam eingesetzt:
Für eine rasant wachsende Weltbevölkerung, die immer mehr Wasser, Land und Nahrungsmittel zum Überleben braucht, ist die Schonung von nur begrenzt vorhandenen Ressourcen von großer Bedeutung. Neben einer Absicherung der weltweiten Trinkwassersversorgung ist auch die lokale Lebensmittelverfügbarkeit, die auch an ungünstig gelegenen Standorten auf lange Transportwege verzichten kann, eine große Herausforderung. Mit der Aquaponik versuchen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des INAPRO-Projektes genau diesen Aufgaben zu begegnen. Gemeinsam mit Partnerinstitutionen aus acht Nationen haben sie ein modell-basiertes Konzept entwickelt und Module für die Praxis gebaut und erprobt, die sowohl an große als auch an kleine landwirtschaftliche Betriebe angepasst werden können.

Gute Forschung wird bekannt gemacht und diskutiert:
„Wir freuen uns sehr, dass unser Projekt für den Dahrendorf-Preis ausgewählt wurde. Wir möchten den Preis gerne nutzen, um in der Gesellschaft bestehende Vorbehalte gegen moderne Nahrungsmittelproduktion aufzulösen“, so Werner Kloas. Die deutlichen Vorteile der INAPRO-Zuchtmethode sollen benannt und vermittelt werden. Das geschieht mit einer Virtual-Reality-Simulation, in der die Nutzerinnen und Nutzer in einem virtuellen Raum als Fischwirt/-in oder Gärtner/-in interagieren. Sie führen Messungen aus, füttern die Fische und ernten das Gemüse. Parallel werden Hintergrundinformationen spielerisch vermittelt. „Es gibt ein wachsendes Interesse an der Herkunft unserer Nahrungsmittel, aber nur wenige haben die Möglichkeit mal eine Produktionsanlage zu besichtigen. Durch die Simulation wird das möglich“, so Fabian Schäfer, Mitinitiator des Vorhabens zur Wissenschaftskommunikation und Betreuer der Informationsplattform „Aquakulturinfo“. Diese Plattform liefert umfassende Informationen zu Themen der Aquakultur und richtet sich an die interessierte Öffentlichkeit, an Verbraucher/-innen sowie Unternehmen aus der Aquakultur, der Fischwirtschaft und des Handels. Die virtuelle Aquaponik-Welt wird im Rahmen verschiedener Veranstaltungen und Ausstellungen zu sehen sein.

Das EU-Projekt INAPRO wurde gefördert durch:
7. EU Rahmenprogramm für Forschung und Innovation, Spezifisches Programm „Kooperation“, Programm Umwelt (inkl. Klimawandel).

Weitere Informationen zum Projekt INAPRO: www.inapro-project.eu
Informationsportal Aquakulturinfo: www.aquakulturinfo.de

Weitere Informationen und Kontakt

www.igb-berlin.de