Muslime auf dem Arbeitsmarkt

Ursache für die hohen Arbeitslosigkeitsraten von Muslimen ist nicht Diskriminierung, so eine neue Studie. Schuld seien vielmehr mangelnde Sprachkenntnisse und traditionelle Wertvorstellungen.

23.03.2016 · Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung · News

Mangelnde Sprachkenntnisse, traditionelle religiöse Wertvorstellungen und begrenzte interethnische Kontakte hemmen weit mehr die Arbeitsmarktbeteiligung von muslimischen Migranten in Europa als ethnische Diskriminierung. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Ruud Koopmans, dem Leiter der Abteilung Migration, Integration, Transnationalisierung am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB).

Überall in Europa haben muslimische Migranten eine geringere Arbeitsbeteiligung als Mitglieder der Mehrheitsgesellschaft. Als ein Grund für die geringe Integration auf dem Arbeitsmarkt wird oft ethnische Diskriminierung angeführt. Die Studie von Ruud Koopmans, für die 7.000 Menschen in sechs europäischen Ländern befragt wurden, kommt zu anderen Ergebnissen. Ethnische Diskriminierung ist zwar ein reales Phänomen, doch die Arbeitsmarktbeteiligung muslimischer Frauen und Männer wird in erster Linie durch soziokulturelle Faktoren beeinflusst.

Vor allem religiöse Unterschiede erweisen sich in Einwanderungsgesellschaften als integrationshemmend. Am offensichtlichsten ist das bei Auffassungen über Geschlechterrollen, die oft religiös legitimiert werden. Ruud Koopmans‘ Analysen zeigen, dass die niedrige Arbeitsmarktpartizipation von muslimischen Frauen und die hohen Arbeitslosigkeitsraten von Muslimen nahezu vollständig auf defizitäre Sprachkenntnisse, fehlende interethnische soziale Kontakte sowie traditionelle Geschlechterrollenverständnisse zurückzuführen sind. Gerade in diesen Bereichen schneiden Muslime schlechter ab und sind traditioneller eingestellt als die meisten anderen Migrantengruppen. Diskriminierung durch Arbeitgeber hat dagegen nur einen geringen Einfluss auf die Arbeitsmarktbeteiligung von Muslimen.

Für die Untersuchung wurden 7.000 Personen in sechs europäischen Ländern (Deutschland, Frankreich, den Niederlanden, Großbritannien, Belgien und der Schweiz) befragt, die in vier mehrheitlich muslimische Migrantengruppen sowie eine nichtmuslimische Vergleichsgruppe ohne Migrationshintergrund aufgeteilt wurden.

Eine Zusammenfassung der Studienergebnisse wurde in dem gerade erschienenen Forschungsmagazin WZB-Mitteilungen unter dem Titel „Auch Kultur prägt Arbeitsmarkterfolg. Was für die Integration von Muslimen wichtig ist“ veröffentlicht.

Die Studie ist unter dem Titel „Does Assimilation Work? Sociocultural Determinants of Labour Market Participation of European Muslims“ im Journal of Ethnic and Migration Studies (2016, Volume 42, No. 2, pp. 197-216) erschienen.

Das Märzheft der WZB-Mitteilungen beschäftigt sich in zahlreichen aktuellen Studien und Essays mit dem Thema „Flucht, Aufnahme, Abwehr. Die herausgeforderte Gesellschaft“.

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