Stammzellforschung für den Artenschutz

Internationale Forscher wollen das Nördliche Breitmaulnashorn mit Hilfe der Reproduktions- und Stammzellforschung retten – ein bahnbrechender Ansatz. http://www.izw-berlin.de

04.01.2016 · HP-Topnews · Biodiversität · Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung

Foto: Joel Sartore

Unter der Leitung des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW), dem San Diego Zoo Global (USA), dem Tiergarten Schönbrunn (Österreich) und dem ZOO Dvůr Králové (Tschechische Republik) haben Experten einen Rettungsplan für das Nördliche Breitmaulnashorn entwickelt. Ziel ist es, die drei letzten Nashörner und Gewebeproben der bereits verstorbenen Individuen zu nutzen, um eine lebensfähige selbsterhaltende Population zu schaffen. Dazu setzen die Forscher aktuelle Erkenntnisse aus der Reproduktions- und Stammzellforschung ein.

Die Forscher beabsichtigen, Nördliche Breitmaulnashörner mithilfe von natürlichen Keimzellen der letzten lebenden Individuen sowie induzierten pluripotenten Stammzellen (iPS-Zellen) zu vermehren. Die iPS-Zellen können aus Körperzellen wie z. B. der Haut gewonnen werden. In der Zukunft könnte es möglich sein, diese iPS-Zellen gezielt in Zellen wie Neuronen, Herzmuskelzellen oder sogar in Keimzellen ausreifen zu lassen. Sollte alles nach Plan verlaufen, können diese anschließend nach der künstlichen Befruchtung in eine Leihmutter eingebracht werden. Am Ende würden fortpflanzungsfähige Nördliche Breitmaulnashörner entstehen. Der erstmalige Einsatz der Stammzellentechnologie für den Artenschutz ist bahnbrechend. Ein Erfolg bietet neue Möglichkeiten im Kampf gegen das rasante, vom Menschen verursachte Artensterben.

Auf dem vom 3. bis 6. Dezember in Wien stattgefundenen Expertentreffen „Conservation by Cellular Technologies“ kamen internationale Wissenschaftler von vier Kontinenten zu dem Schluss, dass eine Rettung des Nördlichen Breitmaulnashorns nur noch durch den Einsatz von zellulären Techniken möglich ist. Ein Teilnehmer des Treffens, der japanische Stammzellforscher Katsuhiko Hayashi (Kyushu University), hat bereits aus einfachen Hautzellen ganze Mäuse wachsen lassen. Nun arbeitet ein internationales Forscherteam daran, dieses Erfolgsmodell auf das Nördliche Breitmaulnashorn zu übertragen.

Seit dem Tod von Nola, einem 41-jährigen Nördlichen Breitmaulnashorn, im San Diego Zoo Safari Park in Kalifornien am 22. November 2015 und Nabiré, einem 32-jährigen Weibchen, im ZOO Dvůr Králové am 27. Juli 2015 verbleiben nur noch drei Exemplare dieser einzigartigen Tierart. Diese drei Individuen, ein Männchen und zwei Weibchen, leben momentan im Ol Pejeta Conservancy in Kenia. Das Alter der Tiere sowie Schwierigkeiten bei deren Reproduktion machen eine Vermehrung auf natürlichem Wege unwahrscheinlich. Allerdings wird die DNA von einem Dutzend Individuen des Nördlichen Breitmaulnashorns in Genbanken in Berlin und San Diego aufbewahrt. Die Experten nutzen diese genetische Information, um die Art vor dem Aussterben zu bewahren.

Die ersten Arbeiten an den noch verbleibenden Zellen des Nördlichen Breitmaulnashorns haben bereits begonnen. Der gesamte Rettungs- und Forschungsplan wird nächstes Jahr in Form eines aktuellen Statuspapiers (White Paper) veröffentlicht.

Kontakt

Steven Seet
Presse
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