Erneut berufstätig?

Das Bild zeigt zwei Personen bei der Arbeit.

40 Prozent der Ruheständler zwischen 55 und 65 Jahren könnten sich eine Rückkehr ins Berufsleben vorstellen, wie eine neue Studie zeigt.

02.08.2019 · Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Raumwissenschaften · GESIS - Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften · News · Forschungsergebnis

Die Bevölkerung altert, die Menschen müssen bis zum Renteneintritt länger arbeiten um die zugesicherten Rentenzahlungen weiter zu gewährleisten. Könnte es da nicht auch ein sinnvoller Versuch von Seiten der Politik sein, Menschen, die bereits im Ruhestand sind, wieder in den Arbeitsmarkt einzubinden? Gründe, die dafür sprächen gibt es durchaus.

Vor diesem versorgungspolitischen Hintergrund nehmen die Autoren Prof. Dr. Dirk Hofäcker und Marc André Kellert vom Institut für Soziale Arbeit und Sozialpolitik der Universität Duisburg Essen diejenigen Ruheständler zwischen 55 und 65 Jahren in den Blick, die bereits im Ruhestand sind, sei es, weil sie erwerbs- bzw. berufsunfähig sind oder weil sie ihren inaktiven Vorruhestand selbst gewählt haben. Auf Basis der TOP-Studie von 2013 zeigen sie, dass ein nicht geringer Teil von immerhin 40 % der benannten Ruheständler und Ruheständlerinnen sich einen Wiedereinstieg in die Erwerbstätigkeit durchaus vorstellen könnte. Das Interesse an einer möglichen Rückkehr in den Arbeitsmarkt hat verschiedene Gründe: Im Gegensatz zu positiver intrinsischer Motivation wie geistige Gesundheit, Spaß an der Arbeit, Kontakt zu anderen Menschen oder Anerkennung und Wertschätzung als Motivationsgrund für eine mögliche Rückkehr werden auf der anderen Seite von einem beträchtlicher Anteil, immerhin drei Viertel derjenigen, die an den Arbeitsmarkt zurückkehren würden, als eher extrinsischer Anreiz die Möglichkeit genannt, weiterhin Geld zu verdienen. Eine verbesserte Strukturierung des Tagesablaufs wäre für die Hälfte der Befragten ein weiterer Anreiz.

Diejenigen 60 %, die kein Interesse an der Rückkehr in die Erwerbstätigkeit haben, begründen dies zum Großteil mit mehr Zeit für Familie oder sich selbst, gesundheitlichen Aspekten sowie der Ansicht, bereits genug gearbeitet zu haben.

Immerhin ein Drittel der Befragten äußert die Befürchtung, am Arbeitsmarkt keine Chance mehr zu haben. Aspekte sozialer Ungleichheit spielen dabei eine ernstzunehmende Rolle. Während Personen mit hohen Humankapitalressourcen über größere Spielräume in ihrer Entscheidung für oder gegen eine Rückkehr in den Arbeitsmarkt verfügen sind Personen mit geringeren Humankapitalressourcen zwar häufiger aus finanziellen Gründen an einer Rückkehr in den Arbeitsmarkt interessiert, sehen sich aber mit geringeren Chancen auf eine Anstellung konfrontiert und zugleich einem erhöhten Risiko von Altersarmut ausgesetzt. Dies gilt ungleich stärker für die neuen Bundesländer als für die alten.

Studie

Die Studie finden Sie in der neuen Ausgabe des Informationsdienst soziale Indikatoren (ISI 62), den sie hier kostenfrei herunterladen können (PDF)

Weitere Informationen und Kontakt

www.gesis.org